Weil die Puritaner die Bibel hoch schätzten, hatten sie auch ein erhabenes Gottesbild. Tatsächlich war es ihr hohes Gottesbild, das sie zu dieser Wertschätzung der Bibel führte, denn sie ist Gottes selbstbeglaubigtes, inspiriertes und kostbares Wort. Sie „nahmen sie nicht als Menschenwort auf, sondern als das, was sie in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das auch in denen wirkt, die glauben“ (1.Thess 2,13).
John Flavel kommentiert die göttliche Autorität, die gebieterische Kraft und die verwandelnde Wirkung der Heiligen Schrift:
Kann die Macht irgendeines Geschöpfes, das Wort eines bloßen Menschen, das Gewissen so überzeugen, das Herz so erschrecken, die geheimsten Gedanken der Seele so offenbaren, dass ein Mensch in solches Zittern gerät? Nein, es muss etwas Größeres als der Mensch hier sein; niemand außer Gott kann die Augen der Blinden so öffnen, die Gräber der Toten so öffnen, das verhärtete Gewissen so beleben und erwecken, die Seele eines Sünders so an das kommende Gericht binden, die Gesinnung und das Wesen eines Menschen so verändern und wandeln oder eine sterbende Seele so machtvoll aufrichten, erfrischen und trösten; gewiss ist die Macht Gottes in all dem; und selbst wenn es nichts Weiteres gäbe, genügte dies allein, um die göttliche Autorität der Heiligen Schrift vollends zu beweisen .
Flavel hebt ein wiederkehrendes Thema in puritanischen Schriften hervor. In ihrer Ehrfurcht vor der Bibel legten die Puritaner großen Wert auf Jesaja 66,2: „Auf diesen will ich blicken, auf den Armen und den, der zerschlagenen Geistes ist und vor meinem Wort zittert.“ Sie verstanden dieses Zittern als kindliche Ehrfurcht vor Gott als heiligem Vater, eine aufrichtige Verehrung, die sie dazu brachte, mit demütigem Herzen und wachem Gewissen an jedem Detail des Wortes zu hängen. Das puritanische Gewissen war durch das Wort Gottes gebannt.
I. Packer sagte: „Das zentrale Anliegen der Puritaner war die Besorgnis um Gott – das Anliegen, ihn wahrhaft zu erkennen, ihm richtig zu dienen und ihn so zu verherrlichen und uns an ihm zu erfreuen.“ Im Dienst an Gott, so Packer, legten die Puritaner großen Wert auf ein reines Gewissen – ein Gewissen, das durch Christi Blut gereinigt und von der Bibel geprägt war. Packer erklärt, wie die Seele der puritanischen Spiritualität im inneren Leben des Gewissens lag, welches „das Bewusstsein eines Menschen bedeutete, in Gottes Gegenwart zu stehen (coram Deo, in Luthers Worten), Gottes Wort und dem Gericht seines Gesetzes unterworfen zu sein, und dennoch – wenn er gläubig war – durch göttliche Gnade gerechtfertigt und angenommen zu sein.“ Für die Ehre Gottes zu leben bedeutete, ihm aus einem gerechtfertigten und gereinigten Gewissen zu dienen, und ihm mit einem reinen Gewissen zu dienen bedeutete, das erleuchtete Gewissen durch die Gnade des Evangeliums vollständig und ganzheitlich der Schrift unterzuordnen.
Das christliche Leben muss biblisch geprägt sein, denn das christliche Herz soll von der Bibel geleitet werden. Packer schreibt: „Für sie konnte es kein wirkliches geistliches Verständnis und keine wahre Frömmigkeit geben, außer wenn die Menschen ihr Gewissen dem Wort Gottes unterordneten und ihm verpflichtetet waren. Wahre Frömmigkeit, so die Puritaner, ist das lebendige Wort Gottes, das seinen wirksamen Einfluss auf unser gesamtes menschliches Dasein ausübt, vom inneren Leben des Herzens bis zum äußeren, praktischen Leben. Die puritanische Frömmigkeit zielte darauf ab, den ganzen Menschen mit der gesamten Heiligen Schrift in Einklang zu bringen und jede Fähigkeit des menschlichen Wesens dem gesamten Ratschluss Gottes anzupassen. Das bedeutet, „sola scriptura“ ganzheitlich anzuwenden – sich leidenschaftlich einer theozentrischen Weltanschauung zu verschreiben, die die gesamte Schöpfung der Autorität der Heiligen Schrift unterstellt und Gott lobt.
Auszug aus: Thriving in Grace – Joel R. Beeke and Brian G. Hedges


